Samstag, 21. November 2009

Das Unaussprechliche

„Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Wittgenstein: "Tractatus logico-philosophicus", Satz 7)

Freitag, 20. November 2009

Depressionen

Angesichts der derzeit umfassenden öffentlichen Erörterung des Themas "Depression" (wie heißt die "Saure-Gurken-Zeit" eigentlich im Herbst?) will der Z(w)eitgeist nicht zurückstehen und seine Meinung auch zu diesem Thema kundtun.

Man kann ohne Zweifel objektiv oder subjektiv an der Welt verzweifeln. Oftmals sind diejenigen, die die meisten objektiven Zweifel an der Welt hegen könnten, subjektiv durchaus glücklich, wie zumindest Studien immer wieder verblüffend zeigen wollen und vermutlich sollen - immer nach dem Motto "arm aber dennoch glücklich" bzw. "uns geht's ja noch gold!" Immerhin beruhigend für die Armen dieser Erde, zu wissen, dass die Reichen auch nicht glücklicher sind - satt werden sie davon gleichwohl auch nicht.

Ohne hier auf die klinischen Unterschiede verschiedener Depressionen (lat. deprimere „niederdrücken“) eingehen zu wollen, darf jedoch festgestellt werden, dass Niedergeschlagenheit und Traurigkeit grundsätzlich zum menschlichen Leben gehören wie der Regen nach dem Sonnenschein. Doch ab welchem Moment man genau von einer Depression sprechen kann, darüber scheiden sich die Geister.

Gerne malen Pharmaindustrie, Psychologen und Ärzte bereits dunkle Wolken an den Himmel, wenn der Betroffene selbst im Traume nicht vermuten würde, er sei depressiv. Ohne verharmlosen zu wollen, auch wer einen zu hohen Cholestrinspiegel, Blutdruck oder Alkoholkonsum hat, darüber entscheiden jene Vorgenannten gerne autokratisch. Immerhin wurde bereits im Jahre 1989 "Das Zeitalter der Depression" ausgerufen (Klerman, Weissman Increasing rates of depression).

Dabei sind Stimmungsschwankungen normal, weil natürlich. Kein Licht ohne Schatten. Gäbe es die dunkle Seite nicht, könnten wir vermutlich die hellen Seiten nicht genießen. Im Laufe eines 24-Stunden-Zyklus durchläuft der Menschen enorme hormonelle Schwankungen. In der "Stundes des Wolfs", jener Zeit gegen 4:00 Uhr morgens sind wir auf dem Tiefpunkt. Jeder noch so kleine Gedanke erscheint bedrohlich. Dabei gilt oft: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.“ (Epiktet).

Als nächst größerer Rhythmus sei der Menstruationszyklus der Frauen mit bösen Stimmungsschwankungen benannt, was u .a. derBegriff der "PMS" (prämenstruelles Syndom) verdeutlichen will. Oder denken wir weiter an den Jahresreigen, mit dem alles Leben erweckenden Frühling und dem grauen, an der Allgemeinstimmung zerrenden November.

Von der Depression zu unterscheiden, doch oft mit ihr im Zusammenhang stehend sind Begriff und Tatsache der "Sorge" sowie Begriff und Tatsache der "Angst" - deren Zusammenhänge herzustellen diesen Beitrag sprengen würde.

Körperlcihe Tätigkeiten in freier Natur wie Rasen mähen oder Laub harken helfen übrigens bei leichten Verstimmungen: „Go man glieks anne arbeid, dan feelt di ook niks!“, sagte die Oma von Tante Leni immer zu eben dieser, wenn sie mal „n Moralischen“ hatte.

Damit kein Missverständnis entsteht:
a) Die klinisch erkannte Depression ist eine ohne Einschränkung zu behandelnde Krankheit, die ernst zu nehmen ist, weil sie im schlimmsten Fall mit dem verzweifelten Freitod enden kann. Doch genau so wenig wie jemand, der abends sein Feierabendbierchen trinkt, gleich ein Alkoholiker sein muss, sollte eine temporäre Missstimmung nicht mit einer Depression gleichgesetzt werden.
b) Objektive wie subjektive Gründe, deprimiert zu sein, gibt es jeden Tag wieder. Aber in den meisten Fällen wird es nach einer dunklen Nacht wieder hell, scheint die Sonne nach tagelangem Regen wieder, wird es Frühjahr nach langem, kalten Winter, hat der Chef auch mal wieder gute Laune, schreiben die Kinder auch mal gute Zensuren, ist der November vorbei.

Donnerstag, 19. November 2009

Gewinn oder Verlust?

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen, dass viele wirklich reiche Menschen gar nicht einmal so glücklich dreinschauen?

Woran das liegt? Das Erklärungsmuster ist einfach. Wieder einmal waren es die Kollegen der Psychologiezunft, die es herausgefunden haben. Mit dem Begriff der "Verlustaversion" bezeichnen sie die folgende Tatsache: Über einen Euro Verlust ärgert sich der Mensch doppelt so stark als er sich über einen Euro Gewinn freut.

Die "Verlustaversion" spielt dabei sowohl in der Sozialpsychologie als auch der der Wirtschaftslehre eine Rolle. Denn für Menschen gibt es grundsätzlich zwei Verhaltensweisen: Sie können versuchen, Chancen zu realisieren oder Nachteilen zu entgehen. Im ersteren Fall werden Veränderungen vorwiegend als Chancen wahrgenommen. Im zweiteren Fall werden sie als Bedrohungen empfunden.

Mittwoch, 18. November 2009

Die Nation trauert um einen Torwart - um wen noch?

Wie schon beim Freitod des Industriellen Merckle am 12. Januar 2009 möchte der kritische Zeitgeist erneut darauf hinweisen, dass es aus seiner Sicht eine Ungeheuerlichkeit von gleich welcher Person ist, auf eine Weise aus dem Leben zu scheiden, dass andere Menschen dadurch traumatisiert oder auf eine andere Weise molestiert werden.

Wo war bei den spektakulär inszenierten Trauerfeierlichkeiten das Mitgefühl für die beiden Lokomotivführer, die Herrn Enke überfahren mussten (!)? Wer gedachte der Menschen, die die Reste von Herrn Enke einsammeln mussten (!)?

Wohl gemerkt: Jeder hat das Recht aus und mit seinem Leben zu machen, was er will. Doch im Falle eines selbstgewählten vorzeitigen Endes möge jeder auch an jene denken, die a) damit zurückbleiben und b) ggf.. sehr unschöne Arbeiten damit haben.

Es gibt eine Vielzahl sauberer Methoden, wie mensch sich entseelen kann. Warum immer wieder der Zug?

Dienstag, 17. November 2009

Michael Moore

Michael Moore: "Ein Kapitalist wird Dir noch den Strick verkaufen, an dem Du ihn dann aufhängst."

Moore hat natürlich wieder einmal Recht. So verkaufen die Industriestaaten (Deutschland ist inzwischen drittgrößter Waffenlieferant weltweit) Drittländern Waffensysteme, die diese einige
Jahre später gegen eben diese Industrieländer richten.

So war es mit Sadam Hussein im Irak, so war es Bin Laden in Afghanistan, so ist es überall dort, wo Drittländer über A-, B- oder C-Waffen verfügen - und USA und Nato dann über eine Bedrohung unserer Freiheit berichten, die nur mit Waffengewalt wiede rhergestellt werden kann.

ABSURD!

Montag, 16. November 2009

Memento mori

Nun ist sie wieder da die traurige Jahreszeit. Abschied von Sommer und Herbst und Gedenken an die Toten: Volkstrauertag, Totensonntag.

Mit zunehmenden Lebensjahren nimmt die Zahl der Toten zu.
Bis zum 40. Lebensjahr hat das Thema kaum Bedeutung.
Danach nimmt die Anzahl der Streichungen im Adressbuch kontinuierlich zu.
Grund genug sich immer einmal wieder mit "seinen" Toten zu beschäftigen.

Freund E. meinte schon einmal im Sommer, das Thema "Tod" häufe sich doch auffällig im "Z(w)eitgeist". Stimmt!

In Kindheit, Jugend und jungen Erwachsenenalter ist der Tod ebensowenig Thema wie in Frühjahr und Sommer Gedanken an Herbst und Winter gepflegt werden. Man genießt hingegen die langen lichten Tage, lauen Lüfte, Farben und Gerüche.

Die Erfahrung des Todes, zum Beispiel der Großeltern, Eltern und anderen nahen (meist älteren) Verwandten und Freunde zwingt uns zu Auseinandersetzung mit diesem wenig geliebten Thema.

Heute gedenke ich dieser engsten Verwandten und Freunde in der Reihenfolge Ihres Todes:
- Oma Katherine Heidtmann
- Opa Heinrich Heidtmann
- Onkel Johan (Joop) Koopman
- Freund Thomas Göller
- Freund Helmut Heiland
- Freund Udo Hack
- Onkel Piet Sierhuis
- Sohn Maximilian Heidtmann
- Tante Elly Sierhuis
- Vater Alfred (Fred) Heidtmann
- Tante Henny Koopman

Wish you were here.

Sonntag, 15. November 2009

Neues von der alten SPD - bye-bye!

Die SPD will sich unter Ihrem fünften Vorsitzenden in sechs Jahren auf die Themen Hartz IV und Rente mit 67 konzentrieren. Beides Themen, die die SPD selber in ihrer Regierungszeit im Rahmen der "Agenda 2010" mit Gerhard Schröder (jetzt "Gazprom") auf den Weg gebracht hat. Prädikat: Wenig glaubhaft.

Und wenn man genau hinschaut, dann wirkt Sigmar Gabriel auch so gar nicht siegesbewusst, wie sein Vorname andeuten will (altdeutsch, "sigu"=Sieg / "mar"=berühmt); nein er schaut eher etwas gequält. Aber irgendeiner muss ja den Karren aus dem Dreck ziehen, in den die Altherrenriege ihn hineingefahren hat.

Vielleicht kann ihm Andrea (griech."die Tapfere" bzw. "die Mannhafte) Nahles ja dabei helfen, die allerdings nach Beobachtung kritischer Zeitgenossen ebenso Speck angesetzt hat, wie Herr Gabriel.

Nein, die beiden werden die SPD trotz nomen est omen wohl nicht retten können.

Immerhin hat Münte noch seinen ehrenhaften Abgang mit etwas lauen Ovationen bekommen und eilt nun mit flatterndem roten Schal ins Sauerland zurück, wo ihm ein geruhsamer Lebensabend garantiert beschieden ist.